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Wort zum Osterfest 2019

Das Wort zum Osterfest

Die Katholische Kirche hat Gold zu Weiß als Kirchenfarbe und die Evangelische Kirche Violett zu Weiß.

 

Violett ist die Farbe der Erde, Gold die Farbe des Himmels, Gold die Farbe der Erlösung, Violett die Farbe des Leidens. Die Evangelische Kirche hat dem Karfreitag in den Mittelpunkt gestellt, die Katholische den Ostersonntag.

 

Ostersonntag und Karfreitag machen Ostern aus, die Gute Botschaft, den Christlichen Glauben. Karfreitag und Ostersonntag - beide Tage miteinander - machen aus worum es geht. So wie Mann und Frau den Menschen ausmachen. Der Mensch ist nicht einfach als Mensch zu finden, sondern als Mann oder als Frau. Beide miteinander machen den Menschen aus.

 

Der Bericht von der Kreuzigung Jesu wird am Karfreitag in den Mittelpunkt gestellt. Warum? Weil die Kreuzigung Jesu am Karfreitag geschah, an einem Freitag geschah. Dem ersten Tag des jüdischen Passahfestes - so wie heuer übrigens auch. Das jüdische Volk feiert Pessah seit dem 19. April, unserem Karfreitag. Allerdings beginnen in Israel bis heute die Tage am Abend vorher. Also das Passahlamm wurde in diesem Jahr am Abend des Gründonnerstag bereitet und gegessen, wie damals an dem Passahfest, an dem Jesus gekreuzigt wurde. Freitag, der erste Tag des Passahfestes. Und am dritten Tag von da an sollte Jesus auferstehen.

 

Für wen ist Jesus gestorben? Für das jüdische Volk zuerst einmal. Und für wen ist Er auferstanden? Na auch für sie. Aber warum? Weil Gott zuerst einmal für sein Volk den Weg von violett zu gold bereitet hat. Nicht bereiten wollte: bereitet hat.

 

Und diesen Weg hat Er auch für die Menschen aus den Völkern der Welt geöffnet: für uns. Vielleicht ist er zu schmal für machtvolle Organisationen, wie es die Christlichen Kirchen weithin geworden sind. Aber er ist breit genug für einzelne Menschen, die miteinander im Frieden mit Gott leben wollen. Die der Vergeblichkeit eine gültige Antwort geben wollen: Die Antwort, die Gott das letzte Wort lässt. Sein Wort ist Jesus, das glaube ich. Das hat Er in den Tod gesprochen, das hat Er auch in das Leben gesprochen. Und ich bin so dankbar dafür, dass Sieg oder Niederlage, Gewinnen oder Verlieren eben nicht von dem abhängen, was ich sehe. Sondern von dem was Gott sagt. Und wenn Gott sagt: In dieser Niederlage steckt der Sieg - dann wird die Niederlage zum Sieg.

Die Niederlage ist der Sieg. Es ist so herrlich diesem lebendigen Gott zu vertrauen. Es ist der Gott Israels.

 

Und was ist, wenn der Sieg ausbleibt? Was wäre, wenn Jesus nicht auferstanden wäre? In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebte Johannes Korzcak. Er war Pole, deswegen hieß er Janusz Korzcak. Er war Arzt. Und er war Jude. Das erfuhr er von Verwandten erst als er schon erwachsen war. Er lebte in Warschau. Er behandelte arme Menschen. Er sah Waisenkinder, die sich selbst überlassen waren. Er bereitete ihnen ein zu Hause. Nicht einfach ein Heim wie wir sie in Deutschland hatten. Ein zu Hause, dass die Kinder und Jugendlichen verwalteten. Alles wurde von den Kindern verwaltet und entschieden: Wer neu aufgenommen wurde, wie vorzugehen war, wenn jemand gestohlen hatte. Regeln wurden miteinander beschlossen und aufrecht erhalten. Es gab die Heimversammlung, in der Korzcak nur eine Stimme hatte, wie jedes der Kinder. Er lebte mit seiner Gemeinschaft in Warschau. Er überlebte nicht. Alle seine Kinder überlebten nicht. Er hätte überleben können. Unsere Deutschen Vorfahren hatten ihm die Möglichkeit gegeben dem Ghetto und der Ermordung in Treblinka zu entkommen. Er blieb. Mit seinen Kindern. Als 1943 der Tag des Abtransportes kam, bereiteten sie sich vor. Sie zogen ihr bestes verbliebenes Gewand an. Sie trugen eine Fahne. Und sie zogen feierlich zu dem Zug, der sie in den Tod brachte.

Warum war Janusz Korzcak geblieben? Er wollte seinen Kindern sagen: Ich bleibe bei Euch, auch im Tod. Er hat seinen Kindern gesagt: Ich bleibe bei Euch auch im Tod. Er ist mit Ihnen gestorben. Er hat ihnen und ihrem Weg Würde gegeben. Er konnte keines der Kinder retten. Aber er hat ihnen allen Würde gegeben. Die Würde wertgeachtet zu sein. Auch im Tod. Auch im Tod der durch ein Verbrechen geschah.

 

Diese Würde hat Jesus jedem Menschen gegeben, weil Er auch gestorben ist und begraben wurde. Kennen Sie einen Gott, der den Weg der Menschen gegangen ist, dem wir entfliehen wollen? Ich kenne keinen außer Jesus, meinem Herrn. Nun aber ist Jesus auferstanden ( 1. Korintherbrief 15 ) und Er ist nicht nur im Sterben bei den Menschen sondern auch im Leben. Weil Er das Wort Gottes ist, das Wort, das Gott in den Tod gesprochen hat, vermag Er unserem Leben Gültigkeit zu verleihen. Trotz des Todes. Unsere Herausforderung ist, Gott zu antworten: Denn nichts von dem geschieht ohne uns und automatisch. Eine frohe Osterwoche.

 

Ihr Matthias Knoch, Pfr. aus Gräfensteinberg

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