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125. Jahre Krankenverein Gunzenhausen

125. Jahre Krankenverein Gunzenhausen

Die Not erkannt und gehandelt


Der Evangelische Krankenverein wurde vor 125 Jahren aus der Taufe gehoben



GUNZENHAUSEN (am) - Der Evangelische Krankenverein Gun­zenhausen hat im Lutherhaus sein 125-jähriges Bestehen gefeiert. Vor­sitzender Dr. Klaus Buechler hieß zu der Festveranstaltung zahlreiche Eh­rengäste aus Politik, Wirtschaft und Kirche willkommen.
Die Feierlichkeiten begannen mit einem Gottesdienst, bei dem Regi­onalbischof Christian Schmidt und Dekan Klaus Mendel die Predigt hiel­ten. Unter dem Bibelwort „Dienet ei­nander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat" richtete Schmidt gleich zu Beginn einen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Diakonie als ein unschätzbares Gut der Kirche. „Ohne sie kann ich mir ein echtes und gutes Gemeindele­ben nicht vorstellen", sagte der Regi­onalbischof.
Der am 15. September 1888 in Gun­zenhausen als Erfolgsmodell gegrün­dete Evangelische Krankenverein kümmert sich um die Betreuung und Pflege alter Menschen. Krankheit, Al­ter und Armut gehörten in der dama­ligen Zeit zwangsläufig zusammen, was den sozialen Abstieg bedeutete. Pflegebedürftige und Bettlägerige waren häufig sich selbst überlassen, verbunden mit schlechten hygieni­schen Verhältnissen.
„In Gunzenhausen erkannte man das Elend und man gründete einen Evangelischen Krankenverein und stellte eine Diakonisse an, um den Nö­ten der Zeit zu begegnen", so Regi­onalbischof Schmidt. Heute seien rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitar­beiter in 24-Stunden-Bereitschaft mit 220 täglichen Hausbesuchen im Ein­satz. „Mein Dank gilt allen, die im Evangelischen Krankenverein Gun­zenhausen mitgearbeitet haben und heute mitarbeiten, die ihre Liebe und Zeit und Fantasie einsetzen für ande­re, die auf ihre Hilfe angewiesen sind" merkte er abschließend an.
Zu Beginn der Festveranstaltung zeigte sich Vorsitzender Dr. Klaus Buechler überwältigt, dass knapp 300 Mitglieder, Ehrengäste und Gönner zur Jubiläumsfeier in das Lutherhaus gekommen waren. Grußworte spra­chen Landratsstellvertreter Peter Kraus und 2. Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. Kraus überbrachte die Grüße des Landkreises und sprach dem Krankenverein herzliche Glück­wünsche aus. Er betonte, dass immer der hilfesuchende Mensch sowie deren Angehörige und nicht der wirtschaft­liche Erfolg im Mittelpunkt stehen. „Die Leistung des Vereins ist schon bemerkens- und auch vonseiten des Landkreises besonders anerken­nungswert. Auf das Erreichte können sie stolz sein", so Kraus.
2. Bürgermeister Karl-Heinz Fitz überbrachte die Glückwünsche der Stadt Gunzenhausen und betonte, dass der Krankenverein ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt ist, aber vor allem ein Anbieter von Leistungen, die immer wichtiger werden, wie etwa die Tagespflege, das Betreute Wohnen oder die Angehörigenentlastung. Fitz betonte, dass gerade in Zeiten des de­mografischen Wandels die Pflege für ältere Menschen immer wichtiger wird und dass die öffentliche Hand die sich stellenden Herausforderun­gen nicht allein bewältigen kann. Er dankte allen Verantwortlichen, Eh­renamtlichen und Mitarbeitern für ihre hochqualifizierte Arbeit, die sie verantwortungsvoll, professionell und mit Herz ausführen. Im Namen der Stadt und als Dank überreichte er an Dr. Buechler einen Scheck.
In seiner Festrede unter dem Motto „Pflege im Wandel der Zeit" beleuch­tete Pfarrer Michael Bammessel, Prä­sident des Diakonischen Werks in Bayern, die Entstehung und Entwick­lung der Evangelischen Krankenver­eine in der Region und in Gunzenhau­sen. Dem damaligen Wirtschaftsboom mit Eisenbahnbau und neuen Indus­trien folgte 1873 eine große Krise. Als dann soziale Probleme auftraten, schlug die Stunde der Gründer für so­ziale Hilfswerke. In den ländlichen Räumen gab es schlimme Epidemien wie Grippe und Diphtherie. Alte und Kranke wurden oft nicht richtig ver­sorgt.
In Gunzenhausen schlug 1888 die Stunde der Gründer. Dekan Hauslei­ter, Bürgermeister Hensolt, Oberme­dizinalrat Eidam und einige pensi­onierte Lehrer ergriffen die Initiative und gründeten den Evangelischen Krankenverein Gunzenhausen. Dies war damals die Voraussetzung, um eine Diakonisse zu holen. Was die Diakonissen damals alles leisteten, war enorm. Hungernde und Langzeit­kranke versorgen sie mit Essen, akut Kranken machten sie Verbände und gaben Medikamente, bei Schwerkran­ken und Sterbenden hielten sie Nacht­wache und holten Pfarrer, wenn es zu Ende ging - und dies zu Fuß oder mit einem alten klapprigen Fahrrad, denn Telefon gab es in der Station noch nicht.
Bammessel: „Wenn wir jetzt ins ak­tuelle Jahr 2013 blicken, so sehen wir, wie sich die Arbeit in den letzten Jah­ren zielstrebig immer weiter aufgefä­chert hat. Es gibt ein Pflegezentrum mit stationären Plätzen, betreutes Wohnen, Tagespflege in Gunzenhau­sen und Dittenheim, Tagesbetreuung in Merkendorf, Essen auf Rädern und ökumenisch getragene Betreuungs­gruppen".
Angesprochen wurde auch die Pfle­geversicherung, die viele Fragen auf­wirft. Sie sei von Anfang an anders als die Krankenversicherung nur als Teil­kostenversicherung geplant gewesen. Immer schon habe man einen Teil der Kosten übernehmen oder einen Teil der Pflege in der Familie organisieren müssen. Der Anteil, den die Pflegever­sicherung abdeckt, sei im Lauf der Jahre immer kleiner geworden. Viele Menschen seien wegen ihrer Pflegebe­dürftigkeit aufs Sozialamt angewie­sen. Außerdem seien die Anforderun­gen an die Pflege durch eine immer ausgefeiltere Dokumentation immer größer geworden. Die Personaldecke in den meisten Pflegeeinrichtungen sei aus finanziellen Gründen so knapp, dass die Pflegekräfte häufig auch an freien Tagen einspringen müssen und ständig Überstunden an­häufen. Die führe dazu, dass sich der Fachkräftemangel in der Altenpflege empfindlich verschärft.
Aufgelockert wurde die Festveran­staltung mit einem Sketch der „Waschweiber" sowie Musikbeiträ­gen der Mitarbeiterinnen unter der Leitung von Irmi Laubinger, des Po­saunenchor Gunzenhausen sowie des jungen Musikers Florian Schachner, der mit seinem selbstkomponiertem Stück „Ballade 1" am Flügel reichli­chen Beifall erntete.
In seinem Schlusswort führte Klaus Buechler aus, dass der Evangelische Krankenverein Gunzenhausen schon damals eine Institution gewesen ist und dies auch bleiben wird. Sein Dank galt Stefan Meier von der Ge­werbebank Gunzenhausen für einen Scheck in Höhe von 500 Euro, dem Ehrenvorsitzenden Pfarrer Helmut Danner für so manchen Rat und Hilfe bei Fragen, den Referenten und allen, die zum Gelingen der Jubiläumsfeier beigetragen haben.

 

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Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen

© Text: Alfred Müller, Frickenfelden

© Foto: Heinrich Förthner 

 

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